Bis zur Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR
Es war doch eigentlich das Staatsgefüge, dem wir Kinder und Jugendlichen nach 1945, dem Kriegsende, mit gutem Gefühl zugestimmt haben. Denken wir nur an das Motto: Nie wieder Krieg. Frieden für alle Völker. Das Kriegsspielzeug war verpönt. Wir haben es abgegeben, sogar den einzigen Zinnsoldaten, der einem kleinen Jungen geblieben war.
Unterdessen sangen wir: Bau auf, freie Deutsche Jugend bau auf… In der Arbeitswelt gab es neue Begriffe mit handfestem Hindergrund: Soll, Aktivist, Brigade der sozialistischen Arbeit, (Erinnern möchte ich: Aus der vorhandenen Kommunistischen Partei und der SPD wurde durch Zusammenschluss die „SED“ die sozialistische Einheitspartei Deutschlands) Held der Arbeit, die ganz spezielle Auszeichnung für hervorragende Erfindungen und Tätigkeiten. Kurz gesagt, überallem stand groß: Leistung, und der Leistungsdruck. Versorgungsengpässe taten das ihre zur Unzufriedenheit der Staatsbürger genau so wie die Vorsicht bei dem Gedankenaustausch mit den Nachbarn.
Was war bloß geschehen? Eine Armee war wieder vorhanden, eine Volksarmee! Innerdeutsche Grenzen wurden gezogen, damit wir nicht vom „Klassenfeind“ provoziert wurden, besser damit auch hier keine Grenzüberschreitungen nach dem Westen mehr möglich waren. Einstmals sangen wir: Sammelt Sand, Zement und Ziegelsteine für den Neuaufbau Berlins…. An eine Mauer der Trennung, der Isolierung, haben wir dabei nicht gedacht. Es sollte ja die Hauptstadt der DDR sein, so war der Plan und Traum, leider bar aller Realität. Berlin war die einzige Möglichkeit den Staat für immer zu verlassen, Republikflucht in Scharen. Die Bespitzelung wurde immer gefährlicher, die „Stasi“ war allgegenwärtig.
Der Dienst der Grenzsoldaten an der „Mauer“ muss sehr belastend gewesen sein. Sie hatten den Schießbefehl auf Alles was flüchten wollte; Wir gedenken unserer „Mauertoten“! Doch wir waren auch stolz auf kleine Erfolge, die durchaus vorhanden waren in diesem Sozialistischen Staat, sie waren anders, angepasst an das doch fremde System der SU, dem des „großen Bruders“.
Von einem Plakat herunter lächelte ein rußgeschwärztes jungenhaftes Gesicht: Werbung:
Ich bin Bergmann, wer ist mehr?
Meldet euch zum Bergbau. Die SDAG Wismut, Ein `sowjetisch deutsches Unternehmen, benötigte dringend Arbeiter. Es handelte sich um Uranabbau, von 1946 an im Erzgebirge gefördert. Über die Strahlungsgefährdung gab es nur unzureichende Aufklärung. Es lockte eine sehr gute Bezahlung, verlängerter Urlaub, gutes reichhaltiges Essen in den Kantinen, und Einiges mehr. Die Geschäfte der Handelsorganisation „Wismut“ waren stets gut gefüllt, es fehlte hier an nichts. Nebenbei gesagt, gab es damals kaum eine andere Arbeit, eine Verdienstmöglichkeit zu finden. Ich gehörte dazu - Übertage - geophysische Abteilung, Wanderobjekt 29 mit Sitz in Neustadt an der Orla. Zusammengefasst in Brigaden zu Dritt suchten wir mit Sonden in den vorgegebenen Profilen der Topographchen Abteilung nach dem Verlauf des Metalls in der Erde, der mitgeführte Apparat auf seinen drei Beinen, wie ein Fotoapparat, mit einer Scala versehen zum Ablesen der Werte, gehörte dazu. Ein sowjetischer Armeeangehöriger war unser ständiger Begleiter.
In den Liedern, Märchen, Tänzen, der Literatur offenbart sich des Volkes Seele, sagt man. In Kultursälen, die wir durch unsere Arbeiten an den verschiedenen Orten antrafen, fanden wir das bestätigt. „ DSF “, Deutsch – Sowjetische - Freundschaft, für diese Mitgliedschaft wurde überall geworben.
Nun, Freundschaft mit Gleichaltrigen, warum nicht. Erstmals Worte wechseln, Ideen ohne Vorbehalt austauschen, einfach kennen lernen, damit später ein Verstehen, Begreifen folgen kann. Die Geschichte eines Volkes, dieser Völker, sei mit eingebunden. So sah ich es und trat der DSF bei. Freundschaft, Frieden halten und die Würde des Menschen als unantastbar ansehen, empfinden, das hat sich selbst mit den Jahren bei mir nicht geändert.
Meine Bekanntschaft mit der Sowjetliteratur begann mit Ostrowkies Werk „Wie der Stahl gehärtet wurde“. Gorki, Puschkin, Dostojewski mit „ Der Idiot“, die Bände Scholochows, „ Der stille Don“, Pasternaks „Doktor Shiwago“, Anna Karenina usw. Väter und Söhne, sowie Krieg und Frieden, folgten im Laufe der Zeit. Die Lieder, die Stimmen der Chöre, die wunderbaren Volks – und - klassischen Tänze der SU begeisterten, und das auch heute noch.
Trotz alledem, und das ist meine Meinung, der Lebensstil eines Volkes, der aus seiner Arbeit, seinem Kampf durch die Geschichte, seinen Eroberungen und Niederlagen herrührt,
dazu die eigene Mentalität, die Volksseele, der Lebensstiel ist nicht übertragbar aus freien Stücken! Die Wurzeln bleiben im Land. Vergessen wir die verschiedenen Religionen nicht, die den Menschen mit prägen von Kindesbeinen an.
Mein Land, weiter fließt der Strom von Flüchtlingen in der Gegenwart, so unaufhaltsam, trotz neuer Gesetze, trotz schließenden, und besser überwachenden Grenzen. Europa zeigt in dieser Notsituation keine Geschlossenheit. Ich bin noch immer der Meinung, das ist eine internationale Angelegenheit, nur zu lösen durch Diplomatie am Ende mit dem Gleichziehen der beiden Weltmächte. Unterdessen erlebten wir die Terroranschläge des „ IS“ auf Paris, 13. 11. 2015. Diese Art des Kampfes erinnert mich an die Kriegsführung der Partisanen. Sie kamen plötzlich aus ihren Löchern, zerstörten, und verschwanden. Lassen wir uns nicht einschüchtern, leben wir unser Leben in der einst erkämpften Freiheit, ohne Hass und unter Beachtung der Würde des Menschen. Das ist sicher nicht einfach, denn Angst ist nicht nur ein Wort, selbst in der Gegenwart nicht.