Wenn ein Gedicht zum Bild wird
Manchmal verlässt ein Gedicht das Papier. Es wird zu Farbe, Form oder Installation. Es begegnet einem Menschen, löst etwas in ihm aus und beginnt auf eine ganz andere Weise weiterzuleben. So geschah es im Jahr 2017 mit meinem Gedicht „Hort des Friedens“. Die Künstlerin, Grafikerin und Designerin Inka Kaiser hatte den Text auf meiner Website entdeckt. Die Worte berührten und inspirierten sie so sehr, dass daraus eine Collage entstand – ihre eigene bildnerische Antwort auf die Gedanken und Empfindungen des Gedichts. Wenig später nahm Inka Kontakt mit mir auf. Sie fragte, ob sie das Gedicht gemeinsam mit der von ihr geschaffenen Collage in einer Ausstellung präsentieren dürfe. Für mich war diese Anfrage mehr als die Bitte um eine Genehmigung. Zum ersten Mal erlebte ich, wie einer meiner Texte von einem anderen Menschen aufgenommen und in eine neue Kunstform verwandelt wurde. Das Gedicht endete nicht mit seinem letzten Vers. Es lebte als Bild weiter. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine künstlerische Zusammenarbeit, die bis heute anhält. Meine Gedichte wurden zu Ausgangspunkten für Collagen, Installationen, Kunstkalender, Buchgestaltungen und Modeobjekte. Nun bereitet Inka Kaiser ihre Einzelausstellung „Zwischen den Spuren“ vor, die am 3. Oktober 2026 in der Stiftungsgalerie Waldheim eröffnet wird. Sie fragte mich, ob ich ihre Arbeit und die bevorstehende Ausstellung auf meiner Website begleiten und unterstützen würde. Ich habe gern zugesagt. Denn diese Zusammenarbeit zeigt, was geschehen kann, wenn Wort und Bild einander nicht nur begegnen, sondern sich gegenseitig neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen.
Worte, die unter die Haut gingen
Als Inka mir später erzählte, was sie beim ersten Lesen von „Hort des Friedens“ empfunden hatte, sprach sie von einer starken inneren Unruhe. Das Gedicht weckte in ihr die Sehnsucht nach Frieden und zugleich die Vorstellung von einem Ort, der Schutz und Geborgenheit verspricht. Vor allem die Bildsprache ließ sie nicht mehr los. Die Worte, sagte sie, seien ihr unter die Haut gegangen. Schon beim ersten Lesen entstanden in ihr Bilder, Farben und Formen. Es war ein Gefühlschaos, aber zugleich der Beginn einer gestalterischen Idee. Auch während der Arbeit an der Collage begleitete sie dieses Empfinden. Inka sprach von Gänsehaut und davon, dass die inneren Bilder beinahe von selbst nach einer sichtbaren Form verlangten. Aus Worten wurden Farben, Flächen und Strukturen. Die Collage war deshalb nicht einfach eine Illustration meines Gedichts, sondern Inkas eigene künstlerische Antwort darauf. So fand „Hort des Friedens“ eine zweite Ausdrucksform: Das Gedicht blieb Wort – und wurde zugleich Bild. Diese Fassung behält die emotionale Wirkung, klingt aber glaubwürdiger und ruhiger. Besonders wichtig ist der Satz, dass die Collage keine Illustration, sondern Inkas eigene künstlerische Antwort ist. Das beschreibt eure Zusammenarbeit sehr genau.
Aus einer Collage wird eine Zusammenarbeit
Mit der Collage zu „Hort des Friedens“ begann 2017 etwas, das keiner von uns geplant hatte. Inka hatte mein Gedicht aus eigenem Antrieb ausgewählt und in ihre Bildsprache übertragen. Ich hatte ihr weder Vorgaben gemacht noch bestimmte Erwartungen an die Gestaltung geknüpft. Gerade diese Freiheit wurde zur Grundlage unserer Zusammenarbeit. Aus dem ersten Kontakt entwickelte sich ein regelmäßiger Austausch über Sprache, Bilder und die Empfindungen, die Kunst auslösen kann. Inka begann, sich mit weiteren Gedichten von mir auseinanderzusetzen. Einzelne Worte, Gedanken und Verse wurden für sie zu Impulsen für neue Collagen, Installationen und andere gestalterische Arbeiten. Manchmal blieb ein Vers in einem Werk sichtbar. In anderen Fällen verwandelte sich seine Stimmung in Farben, Materialien, Formen oder räumliche Anordnungen. Später entstanden aus dieser Verbindung auch Kunstkalender, Buchcover und Modeobjekte. Für mich eröffnete die Zusammenarbeit einen neuen Blick auf meine eigenen Texte. Gedanken, die ich in Worten festgehalten hatte, begegneten mir plötzlich als Bild, Objekt oder Kleidungsstück wieder. Manches erkannte ich sofort. Anderes erschien mir überraschend fremd und erhielt gerade dadurch eine neue Wirkung.
Aus einer einzelnen Collage wurde so ein künstlerischer Dialog, der bis heute fortbesteht. Meine Gedichte geben einen Impuls, doch Inka entscheidet selbst, wohin dieser sie führt. Das Bild wiederholt nicht das Gedicht, und das Gedicht erklärt nicht das Bild. Beide bleiben eigenständig – und können dennoch etwas Gemeinsames entstehen lassen.
Die Künstlerin hinter den Arbeiten
Wenn ich Inkas Arbeiten betrachte, fällt mir vor allem ihre Freude am Verbinden auf. Bilder, Fotografien, Farben, Stoffe, Strukturen und gefundene Fragmente, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, fügt sie zu neuen Zusammenhängen. Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens stehen Collagen und Installationen. Ergänzt werden sie durch Malerei, Mixed Media, Grafik, Design und textile Arbeiten. Ihre Collagen entstehen nicht nur durch das Zusammensetzen verschiedener Materialien. Ausgangspunkt kann eine Erinnerung, eine Stimmung, ein Gedanke oder ein inneres Bild sein. Während der Arbeit werden einzelne Elemente überlagert, verdeckt, wieder freigelegt oder in einen neuen Zusammenhang gestellt. So entstehen Werke, die keine festgelegte Geschichte erzählen, sondern dem Betrachter Raum für eine eigene Wahrnehmung lassen. In ihren Installationen verlässt Inka die Fläche. Bilder, Gegenstände, Worte, Stoffe und andere Materialien greifen in den Raum ein und verändern dessen Wirkung. Der Besucher betrachtet das Werk nicht nur aus der Entfernung, sondern wird stärker in seine Atmosphäre einbezogen. Auch Sprache kann Teil dieses Prozesses werden. Ein Wort, ein Vers oder ein vollständiges Gedicht kann einen ersten Impuls geben, sichtbar in ein Werk eingehen oder ihm als eigenständige Stimme gegenüberstehen.
Gerade diese Offenheit prägt Inkas Arbeit. Sie verbindet unterschiedliche Ausdrucksformen, ohne sie einander unterzuordnen. Das Sichtbare bildet dabei oft nur den Anfang. Was ein Werk bedeutet, entscheidet sich auch in den Gedanken und Empfindungen des Menschen, der ihm begegnet.
Aus einer Collage wird eine Zusammenarbeit
Aus der Collage zu „Hort des Friedens“ entwickelte sich seit 2017 eine Zusammenarbeit, die keiner von uns geplant hatte. Ich gab Inka weder gestalterische Vorgaben noch bestimmte Vorstellungen mit auf den Weg. Sie ließ meine Gedichte auf sich wirken und folgte den Bildern, Farben und Formen, die dabei in ihr entstanden. Gerade diese Freiheit wurde zur Grundlage unseres gemeinsamen Weges. Bald blieb es nicht mehr bei Collagen und Installationen. Aus der Verbindung von Wort und Bild gingen weitere Projekte hervor. Für Kunstkalender wählte Inka Gedichte aus meinem Fundus und griff deren Stimmungen und Gedanken gestalterisch auf. Bild und Text erklärten einander nicht, sondern eröffneten gemeinsam eine zusätzliche Wahrnehmungsebene. Auch bei der Gestaltung von Buchcovern geht sie einen ungewöhnlichen Weg. Zunächst liest sie den Buchtext und nimmt dessen Atmosphäre, Spannungen und innere Bewegung auf. Anschließend sucht sie unter meinen Gedichten nach einem Text, der mit dem Inhalt in Beziehung treten kann. Erst daraus entwickelt sie das Cover. So verbinden sich Buchtext, Gedicht und Gestaltung, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Selbst in ihren Modearbeiten setzt sich dieser Prozess fort. Ein Gedicht kann in ihr eine Farbe, eine bestimmte Stofflichkeit oder eine Form auslösen. Daraus entstehen Kleider, Westen und Röcke, die nicht nur Bekleidung, sondern tragbare Kunstwerke sind. Einige davon werden auch in der Ausstellung „Zwischen den Spuren“ zu sehen sein. Für mich eröffnete diese Zusammenarbeit einen neuen Blick auf meine eigenen Texte. Gedanken, die ich in Worten festgehalten hatte, begegneten mir plötzlich als Bild, Buchcover, Kleidungsstück oder räumliche Installation wieder. Manches erkannte ich sofort. Anderes wirkte überraschend fremd und erhielt gerade dadurch eine neue Ausdruckskraft. Aus einer einzelnen Collage entstand so ein künstlerischer Dialog, der bis heute fortbesteht. Meine Gedichte geben einen Impuls – doch Inka entscheidet selbst, wohin dieser sie führt. Das Bild wiederholt nicht das Gedicht, und das Gedicht erklärt nicht das Bild. Beide bleiben eigenständig und lassen dennoch etwas Gemeinsames entstehen.
Zwischen den Spuren
Unter dem Titel „Zwischen den Spuren“ präsentiert Inka Kaiser vom 3. bis zum 31. Oktober 2026 eine Auswahl ihrer künstlerischen Arbeiten. Der Untertitel „Bilder, Worte und verborgene Wirklichkeiten“ beschreibt den Grundgedanken der Ausstellung: Sichtbares trifft auf Verborgenes, Erinnerung auf Gegenwart und Sprache auf bildnerische Gestaltung.
Die Ausstellung findet in der Stiftungsgalerie Waldheim, Schlossstraße 23, 04736 Waldheim, statt. Eröffnet wird sie am 3. Oktober 2026 um 16.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Unterstützt wird die Ausstellung von der François Maher Presley Stiftung, die soziale und kulturelle Projekte fördert und sich besonders in Sachsen engagiert.
Zu sehen sind Collagen, Malerei, Mixed Media, Installationen und ausgewählte Modeobjekte. Einige dieser Arbeiten entstanden aus der Auseinandersetzung mit meinen Gedichten. Dabei wurden Gedanken und Stimmungen nicht einfach illustriert, sondern in Farbe, Material, Raum und textile Formen weitergeführt. Die Besucher erwartet deshalb keine Ausstellung, in der Bild und Wort lediglich nebeneinanderstehen. Beide Ausdrucksformen bleiben eigenständig und treten dennoch miteinander in Beziehung. Sie führen in jene Zwischenräume, in denen nicht alles sofort sichtbar oder eindeutig erklärbar ist. Ausgewählte Werke stelle ich in diesem Beitrag näher vor. Über die verlinkten Titel gelangen Interessierte direkt zu den Abbildungen, Beschreibungen und weiteren Angaben im Shop.
Wenn ein Gedicht zum Bild wird
Manchmal verlässt ein Gedicht das Papier. Es wird zu Farbe, Form oder Installation. Es begegnet einem Menschen, löst etwas in ihm aus und beginnt auf eine ganz andere Weise weiterzuleben. So geschah es mit meinem Gedicht „Hort des Friedens“. Die Künstlerin, Grafikerin und Designerin Inka Kaiser hatte den Text auf meiner Website entdeckt. Die Worte berührten und inspirierten sie so sehr, dass daraus eine Collage entstand – ihre eigene künstlerische Antwort auf die Gedanken und Empfindungen des Gedichts. Im Jahr 2017 nahm Inka Kontakt mit mir auf. Sie fragte, ob sie das Gedicht gemeinsam mit der von ihr geschaffenen Collage in einer Ausstellung präsentieren dürfe. Für mich war diese Anfrage mehr als die Bitte um eine Genehmigung. Sie zeigte mir, dass ein Gedicht nicht dort enden muss, wo der letzte Vers geschrieben ist. Es kann von einem anderen Menschen aufgenommen, verwandelt und in einer neuen Kunstform weitergeführt werden. Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich eine künstlerische Zusammenarbeit, die bis heute andauert.
Worte, die unter die Haut gingen
Als Inka mir später beschrieb, was sie beim ersten Lesen von „Hort des Friedens“ empfunden hatte, sprach sie von einer starken inneren Bewegung. Da war die Sehnsucht nach Frieden, aber auch der Gegensatz zwischen Unruhe und der Vorstellung eines Ortes, der Schutz und Geborgenheit verspricht. Vor allem die Bildsprache ließ sie nicht mehr los. Die Worte, sagte sie, seien ihr unter die Haut gegangen und hätten dort nach Raum gesucht, als wollten sie eine eigene Gestalt annehmen. Schon beim ersten Lesen entstanden in ihr Bilder, Farben und Formen. Es war ein Gefühlschaos, zugleich aber auch der Beginn einer künstlerischen Idee. Selbst während der Arbeit an der Collage begleitete sie dieses Empfinden – manchmal, wie sie erzählte, bis hin zur Gänsehaut. Aus den Worten wurden innere Bilder, aus den Bildern Farben, Flächen und Strukturen. Die Collage war deshalb keine bloße Illustration meines Gedichts, sondern Inkas eigene künstlerische Antwort darauf.
So fand „Hort des Friedens“ eine zweite Ausdrucksform: Das Gedicht blieb Wort – und wurde zugleich Bild.
Aus einer Collage wird eine Zusammenarbeit
Aus der Collage zu „Hort des Friedens“ entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die keiner von uns geplant hatte. Ich gab Inka keine gestalterischen Vorgaben. Sie ließ meine Gedichte auf sich wirken und folgte den Bildern, Farben und Formen, die dabei in ihr entstanden. Gerade diese Freiheit wurde zur Grundlage unseres gemeinsamen Weges. Bald blieb es nicht mehr bei einzelnen Collagen und Installationen. Aus der Verbindung von Wort und Bild gingen weitere Projekte hervor. Für gemeinsam entwickelte Kunstkalender wählte Inka Gedichte aus meinem Fundus und griff deren Gedanken und Stimmungen gestalterisch auf. Dabei entstand kein Bild, das den Text lediglich erklärte. Gedicht und Gestaltung blieben eigenständig und eröffneten gemeinsam eine neue Wahrnehmungsebene. Auch bei der Gestaltung von Buchcovern folgt Inka einem ungewöhnlichen Weg. Zunächst liest sie den Buchtext und nimmt dessen Atmosphäre, verborgene Spannungen und innere Bewegung auf. Anschließend sucht sie unter meinen Gedichten nach einem Text, der mit dem Inhalt des Buches in Beziehung treten kann. Erst daraus entwickelt sie das passende Cover. So verbinden sich Buchtext, Gedicht und Gestaltung zu einem Ganzen, ohne ihre jeweilige Eigenständigkeit zu verlieren.
Selbst in Inkas Modearbeiten setzt sich dieser künstlerische Prozess fort. Ein Gedicht kann in ihr eine Farbe, einen bestimmten Stoff, einen Schnitt oder eine Form auslösen. Daraus entstehen Kleider, Westen und Röcke, die nicht nur als Bekleidung gedacht sind, sondern als tragbare Kunstwerke. Ausgewählte Modeobjekte werden auch in der Ausstellung „Zwischen den Spuren“ zu sehen sein. Für mich eröffnete diese Zusammenarbeit einen neuen Blick auf meine eigenen Texte. Gedanken, die ich ursprünglich in Worten festgehalten hatte, begegneten mir plötzlich als Bild, Buchcover, Kleidungsstück oder räumliche Installation wieder. Manches erkannte ich sofort. Anderes erschien mir zunächst fremd und erhielt gerade dadurch eine neue, überraschende Ausdruckskraft. Aus einer einzelnen Collage entstand so ein künstlerischer Dialog, der bis heute fortbesteht. Meine Gedichte geben einen Impuls – doch Inka entscheidet selbst, wohin dieser sie führt.
Das Bild wiederholt nicht das Gedicht, und das Gedicht erklärt nicht das Bild. Beide bleiben eigenständig und lassen dennoch etwas Gemeinsames entstehen.
Die Künstlerin hinter den Arbeiten
Wenn ich Inkas Arbeiten betrachte, fällt mir vor allem ihre Freude am Verbinden auf. Bilder, Fotografien, Farben, Stoffe, Strukturen und Fundstücke, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, fügt sie zu neuen Zusammenhängen. Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens stehen Collagen und Installationen. Hinzu kommen Malerei, Mixed Media, Grafik, Design und textile Arbeiten. Ihre Collagen entstehen nicht nur durch das Zusammensetzen verschiedener Elemente. Ausgangspunkt kann eine Erinnerung, eine Stimmung, ein Gedanke oder ein inneres Bild sein. Während der Arbeit werden Flächen überlagert, Fragmente verdeckt, wieder freigelegt oder in einen neuen Zusammenhang gestellt. So entstehen Werke, die keine fertige Geschichte vorgeben. Sie lassen dem Betrachter Raum, eigene Erinnerungen, Empfindungen und Deutungen darin zu entdecken. In ihren Installationen verlässt Inka die Fläche. Gegenstände, Bilder, Worte, Stoffe und andere Materialien greifen in den Raum ein und verändern seine Wirkung. Der Besucher steht nicht mehr nur vor einem Bild, sondern begegnet einer Atmosphäre, die Nähe, Unruhe, Verletzlichkeit, Hoffnung oder auch Widerspruch auslösen kann. Auch Sprache gehört zu Inkas künstlerischen Mitteln. Ein Wort, ein Vers oder ein Gedicht kann den ersten Impuls geben, sichtbar in ein Werk eingehen oder ihm als eigenständige Stimme gegenüberstehen. Gerade diese Offenheit prägt ihre Arbeit. Collage, Installation, Malerei, Grafik, Design, Mode und Sprache stehen nicht getrennt nebeneinander. Sie verbinden sich, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Das Sichtbare ist dabei oft nur der Anfang. Was ein Werk bedeutet, entscheidet sich auch in den Gedanken und Empfindungen des Menschen, der ihm begegnet.
Die Ausstellung in Waldheim
Vom 3. bis zum 31. Oktober 2026 präsentiert Inka Kaiser in der Stiftungsgalerie Waldheim ihre Einzelausstellung
„Zwischen den Spuren – Bilder, Worte und verborgene Wirklichkeiten“.
Der Titel beschreibt den Grundgedanken der Ausstellung: Sichtbares begegnet Verborgenem, Sprache tritt mit bildnerischer Gestaltung in Verbindung, und Erinnerungen hinterlassen Spuren in der Gegenwart. Die Ausstellung findet in der
Stiftungsgalerie Waldheim
Schlossstraße 23
04736 Waldheim
statt.
Eröffnet wird sie am 3. Oktober 2026 um 16.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Unterstützt wird die Ausstellung von der François Maher Presley Stiftung. Sie fördert soziale und kulturelle Projekte, engagiert sich für Kinder und Jugendliche und ist besonders in Sachsen tätig. Zu sehen sind Collagen, Malerei, Mixed Media, Installationen und ausgewählte Modeobjekte. Darunter befinden sich auch Arbeiten, die aus der Beschäftigung mit meinen Gedichten hervorgegangen sind. Insgesamt werden dreizehn Gedichte in die Ausstellung einbezogen. Sie stehen nicht lediglich neben den Bildern, sondern begleiten ausgewählte Werke, greifen Stimmungen auf, führen Gedanken weiter oder eröffnen eine zusätzliche Ebene. Bild und Wort bleiben dabei eigenständig. Dennoch treten sie miteinander in Beziehung und führen die Besucher in Zwischenräume: zwischen dem Gesagten und dem Verschwiegenen, zwischen dem unmittelbar Sichtbaren und dem, was erst in der eigenen Wahrnehmung entsteht.
Im Gespräch mit Inka Kaiser
Im Vorfeld der Ausstellung sprach die freischaffende Literaturjournalistin Karin Engel mit Inka Kaiser über ihre Kunst, die Entstehung von „Zwischen den Spuren“ und die Frage, was geschieht, wenn ein geschriebenes Wort plötzlich Farbe, Form, Raum oder sogar ein Kleidungsstück wird.
„Zwischen den Spuren“ ist eine Einzelausstellung von Inka Kaiser. Dreizehn ausgewählte Gedichte von Stan Marlow begleiten einzelne Arbeiten und erweitern sie um eine eigenständige sprachliche Ebene.
Karin Engel: Frau Kaiser, was erwartet die Besucherinnen und Besucher bei „Zwischen den Spuren“?
Inka Kaiser: Eine Ausstellung, die sich nicht auf einen einzigen Stil oder eine bestimmte Technik festlegen lässt. Zu sehen sind Collagen, Malerei, Mixed Media, Installationen und Modeobjekte. Manche Arbeiten sind leise und beinahe zurückhaltend, andere kraftvoll, unruhig oder expressiv. Für mich gehören diese Gegensätze zusammen. Sie sind Spuren verschiedener Empfindungen, Lebensphasen und innerer Bewegungen. Ich wünsche mir, dass die Besucher nicht nur vor den Werken stehen und sie betrachten. Vielleicht lassen sie sich für einen Moment hineinziehen – in eine Farbe, eine Struktur, einen Gedanken oder eine Erinnerung, mit der sie nicht gerechnet haben.
Karin Engel: Was bedeutet der Titel „Zwischen den Spuren“ für Sie?
Inka Kaiser: Spuren sind für mich nicht nur das, was deutlich sichtbar zurückbleibt. Mich interessiert ebenso das, was darunterliegt: eine Erinnerung, eine Verletzung, eine Sehnsucht oder etwas, für das wir noch keine Worte gefunden haben. In meinen Arbeiten gibt es Überlagerungen, Brüche, Fragmente und offene Räume. Manche Zusammenhänge zeigen sich sofort, andere erst bei längerem Betrachten. Und manches bleibt verborgen – obwohl man spürt, dass es da ist. Genau in diesem Zwischenraum beginnt für mich Kunst: zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen dem, was wir zeigen, und dem, was wir in uns tragen.
Karin Engel: Welche Themen begegnen uns in der Ausstellung?
Inka Kaiser: Identität, Erinnerung, Verletzlichkeit, Einsamkeit, Freiheit und Neubeginn. Aber auch innere Zerrissenheit, Veränderung und die Suche nach Frieden. Ich erzähle keine fertigen Geschichten und möchte keine eindeutigen Antworten vorgeben. Mich interessiert, was ein Werk im Menschen auslöst. Vielleicht erkennt jemand etwas Eigenes darin. Vielleicht entsteht Unruhe, vielleicht Trost oder nur ein Gedanke, der noch eine Weile bleibt. Kunst darf Fragen stellen, ohne sie sofort beantworten zu müssen.
Karin Engel: Wie entstehen Ihre Arbeiten?
Inka Kaiser: Oft beginnt es nicht mit einer fertigen Vorstellung, sondern mit einer Empfindung. Manchmal ist es ein Bild, ein Stück Papier, eine Farbe, eine Fotografie oder ein Satz, der sich in mir festsetzt. Dann beginnt eine innere Bewegung. Ich lege Schichten übereinander, entferne Teile, verdecke etwas und mache anderes wieder sichtbar. Ich arbeite mit Papier, Fotografien, Farben, Linien, Stoffen, Strukturen und gefundenen Fragmenten. Während des Schaffens verändert sich die ursprüngliche Idee. Das Werk schlägt eine eigene Richtung ein. Dieser Augenblick ist für mich besonders spannend: Ich gestalte das Bild – und zugleich scheint mir das Bild zu zeigen, was es werden will.
Karin Engel: Welche Rolle spielen die Gedichte von Stan Marlow?
Inka Kaiser: Manche seiner Gedichte lese ich nicht nur – ich erlebe sie. Die Worte lösen Bilder, Farben und manchmal beinahe körperliche Empfindungen in mir aus. Sie können Gänsehaut hervorrufen, Unruhe, Trauer, Hoffnung oder ein schwer zu beschreibendes Gefühlschaos. Bei „Hort des Friedens“ war diese Wirkung besonders stark. Die Worte gingen mir unter die Haut. Sie suchten geradezu nach einer anderen Form, nach einem Raum, in dem sie weiterleben konnten. Daraus entstand 2017 die erste Collage – und mit ihr begann unsere bis heute andauernde künstlerische Zusammenarbeit. Die Gedichte erklären meine Arbeiten nicht. Sie sind keine Bildunterschriften, sondern eigenständige Stimmen. Manchmal greifen sie eine Stimmung auf, manchmal widersprechen sie dem Bild, manchmal öffnen sie eine völlig neue Richtung. Aus Wort und Bild entstehen Verbindungen – manche werden sichtbar, andere bleiben verborgen.
Karin Engel: Aus dieser Zusammenarbeit entstanden weit mehr als Collagen. Wie hat sie sich entwickelt?
Inka Kaiser: Aus Gedichten wurden Collagen, Kunstkalender, Buchcover, Installationen und Mode. Bei einem Buchcover lese ich zunächst den Text und versuche, seine Atmosphäre, seine verborgenen Spannungen und seine innere Bewegung zu erfassen. Danach suche ich im lyrischen Fundus von Stan Marlow nach einem Gedicht, das mit dem Buchtext in einen Dialog treten kann. Erst dann beginnt die Gestaltung des Covers. Ähnlich ist es bei meinen Modearbeiten. Ein Gedicht kann in mir eine Farbe, eine Stofflichkeit oder eine bestimmte Form auslösen. Daraus entstehen Kleider, Westen oder Röcke. Für mich sind sie nicht einfach Bekleidung, sondern bewegliche, tragbare unstwerke. Das geschriebene Wort verlässt dabei das Papier. Es wird Bild, Stoff, Linie, Raum und Bewegung.
Karin Engel: Was wünschen Sie sich von den Menschen, die Ihre Ausstellung besuchen?
Inka Kaiser: Ich wünsche mir, dass sie sich Zeit nehmen und nicht sofort fragen: Was soll mir dieses Werk sagen? Vielleicht wäre die bessere Frage: Was löst es in mir aus? Man muss Kunst nicht immer vollständig verstehen. Man darf ihr begegnen, wie man einem unbekannten Menschen begegnet – offen, aufmerksam und ohne schon vorher zu wissen, was geschehen wird. Vielleicht bleibt ein Bild im Gedächtnis. Vielleicht ein Vers, eine Farbe, ein Stück Stoff oder eine kaum sichtbare Spur. Vielleicht wird etwas berührt, das lange keinen Ausdruck gefunden hat. Dann hätte die Ausstellung erreicht, was ich mir von ihr wünsche.
Ausgewählte Arbeiten und Gedichte
In der Ausstellung „Zwischen den Spuren“ begegnen dreizehn meiner Gedichte den künstlerischen Arbeiten von Inka Kaiser.
Die Texte sind dabei mehr als Begleitung. Sie können Impuls, Gegenüber oder Ausgangspunkt einer Collage, Installation oder textilen Gestaltung sein.
Einbezogen werden folgende Gedichte:
- Hort des Friedens
- Wintergruß
- Das andere Ich
- Innere Landschaft
- Virus
- Flatterhaft
- Lauf der Dinge
- Freiheit
- Jenseits der Stille im Sand
- Zurückgelassen
- Nicht mehr gleichzeitig
- Trennung
- Tagtraum
Ausgewählte Arbeiten werden auf dieser Website ausführlicher vorgestellt. Über die verlinkten Titel gelangen Sie direkt zu den Abbildungen, Werkbeschreibungen und weiteren Informationen.
Ausstellungsinformationen
Zwischen den Spuren
Bilder, Worte und verborgene Wirklichkeiten
Einzelausstellung von Inka Kaiser
Collagen · Malerei · Mixed Media · Installationen · Modeobjekte
Mit dreizehn ausgewählten Gedichten von Stan Marlow
Ausstellungszeitraum:
3. bis 31. Oktober 2026
Eröffnung:
Samstag, 3. Oktober 2026, 16.00 Uhr
Stiftungsgalerie Waldheim
Schlossstraße 23
04736 Waldheim
Der Eintritt ist frei.
Mit Unterstützung der
François Maher Presley Stiftung
Ausgewählte Werke im Porträt
Einige Arbeiten aus der Ausstellung „Zwischen den Spuren“ sind aus der Begegnung mit meinen Gedichten entstanden. Inka Kaiser überträgt die Texte dabei nicht einfach in Bilder. Sie nimmt deren Stimmungen, Spannungen und innere Bilder auf und führt sie in ihrer eigenen künstlerischen Sprache weiter.
Die folgenden sechs Werke geben einen ersten Einblick in diesen Dialog zwischen Wort, Farbe, Material und Form. Mit einem Klick auf den jeweiligen Werktitel gelangen Sie direkt zur Abbildung, zur Werkbeschreibung und zu den weiteren Angaben im Shop.
- Jenseits der Stille im Sand
- Zurückgelassen
- Hort des Friedens
- Wintergruß
- Das andere Ich
- Innere Landschaft




