Herbstnebel über Berlin
Szenenfragment
Ein grauer, hässlicher Herbstnebel lagerte über der großen Stadt Berlin. Schon in den frühen Abendstunden waren selbst die grellen Lichter der elektrischen Bogenlampen beinahe vollständig von den wallenden Schwaden des Nebelmeeres verschluckt. Bunte Lichtreklamen durchzuckten das Grau wie fantastische Blitze einer unwirklichen Vorstellung. Der Lärm der Stadt verlor sich mehr und mehr, bis er schließlich nur noch gedämpft durch die feuchte Luft drang – als läge eine schwere Schicht Watte über den Straßen. Im Westen der Stadt wirkten die stillen Straßen nahe der Potsdamer Brücke besonders verlassen. Dunkle Häuser erhoben sich wie gewaltige, geheimnisvolle Schatten über dem schwarz dahinfließenden Wasser des Kanals. Vertrocknete, gelbbraune Blätter raschelten unter den Schritten der wenigen Menschen, die einsam durch die Nacht gingen, bis der Nebel sie verschluckte. Unter einem alten Kastanienbaum am Ufer des Kanals standen zwei Männer. Nur das schwache Glimmen ihrer Zigaretten verriet ihre Anwesenheit. Sie sprachen leise miteinander, beinahe flüsternd, als fürchteten sie, auch nur eines ihrer Worte könne den Weg zu einem fremden Ohr finden.

